Shire-Horse Geschichte
Im Grunde genommen hat das Shires Horse seine Existenz einem rebellischen Normannen und zwei Pfeilen zu verdanken. Im Jahre anno 1066 sah sich William der Eroberer (1027 bis 1087) gezwungen seinem Erbanspruch auf den angelsächsischen Thron durch Waffengewalt geltend zu machen. Damals noch William der Bastard genannt, weil er aus einer unehelichen Verbindung seines Vaters Robert Herzog der Normandie und Herleva von Falaise hervorging, mußte er bei der großen Schlacht von Hastings, gegen seinen Widersacher König Harold antreten.
Mit ca. 500 Schiffen und rund 7.500 gut ausgebildeten, zum Teil berittenen Soldaten, landete er bei den Clippen von Dover. Es sah lange Zeit so aus, als würden die Angelsachsen unter König Harold, in einer äußerst blutigen Schlacht den Sieg erringen. Bis der König und sein Bannerträger durch zwei Pfeile schwerverletzt, bzw getötet wurden. Das Banner sank zu Boden und das Heer war führungslos, so daß nach kurzer Zeit die Schlacht zu Gunsten von William dem Eroberer entschieden wurde. Im Verlauf dieser Auseinandersetzung wurde König Harold dann durch einen Schwerthieb getötet, so daß der Weg nach London frei war.
Der größte Vorteil für William aber bestand darin, daß er mit einer Berufsarmee in das Land einfiel und sich dabei einer bis dahin noch nie dagewesene Taktik bediente. Durch die abschreckende Wirkung von großen Pferden die er mit sich führte, konnte er sich diesen Vorteil gegen die unerfahrenen, kämpfenden angelsächsischen Bauern, zu nutze machen, indem er die “Great Horses” in einem langsamen und alles niederwalzenen Trab gegen sie einsetzte. Das Stockmaß dieser Pferde war ca. 150 cm, aber im Gegensatz zu den zeitgenössischen Pferden waren sie um einiges größer und schwerer!
Damit war aber für ihn die Arbeit noch nicht erledigt. Über die Jahre begehrten die Grafen (Sheriff`s) der Grafenschaften (Shires) gegen ihn als “Thronräuber” auf. Er formte eine starke Armee aus Rittern, die im Land für Ruhe und Ordnung sorgen sollten. Da diese Ritter in voller Ausrüstung bis zu 180 Kilo wogen, brauchte man Pferde, die in der Lage waren diese Last zu tragen und trotzdem noch behende genug waren, um in die Schlacht ziehen zu können oder auf den Ritterspielen als Turnierpferd eingesetzt werden zu können.
Der Ruf dieser Pferde war schnell über die Grenzen Englands in ganz Europa bekannt. Die englischen Herrscher bemühten sich durch ein strenge Gesetzgebung die Zucht von immer größeren und schweren Pferden voranzutreiben. Bis zu der Erfindung der Feuerwaffe wurden die Shire Horses fast aus schließlich als Kampfrösser genutzt.
Mit dem Verschwinden der Ritter wurde die Kraft, Ausdauer und Gelehrigkeit der Pferde für die Landwirtschaft, dem ziehen von Lastkähnen (treideln) und für das allgemeine Transportwesen genutzt.
Durch Importe im 17. Jahrhundert von niederländischen Kaltblütern, damals waren die Friesenpferde noch Kaltblüter, wurde hauptsächlich im in mittelenglischen Grafschaften (Midland Shires) Lincolnshire, Staffordshire, Derbyshire, Oxfordshire, Yorkshire und Leicester schwerfällige und derbe Zugpferde gezüchtet.
Die Qualität dieser Pferde wurde maßgeblich von Robert Blackwell (1725 bis 1795) und seiner Schülern in der Region der Midlands wesentlich verbessert. Die Erfolge dieser Bemühungen wurden dann allgemein als das “Blakewell-Black Pferd” bekannt.
Im Jahr 1760 tauchte das “Blinde Pferd von Packington” auf, ein Rappe, der heute als Urvater der Shire Horse Zucht angesehen wird. In dieser Zeit wurden vermehrt auch Friesen und flandrischen Pferde eingekreuzt.
Diese Pferde waren ein wichtiger Faktor und eine der Stützen der aufstrebenden englischen Wirtschaft. Als im 18.Jahrhundert die Bedeutung von Handel und Transport zunahmen, erreichten sie bis zum 19.Jahrhundert auch als Zugpferde der öffentlichen Verkehrsmittel wie Busse und Straßenbahnen ihre Blütezeit.
Nach den Napoleonischen Kriegen setzte eine unheilvolle Epoche ein: es wurde eine große Zahl an Pferden auf den Kontinent verkauft. In der Zeit zwischen 1850 und 1860 wurden die besten Stuten zu Hunderten nach Schottland verkauft und formten so den neuen Clydesdale als direkte Konkurrenz.
Im Jahre 1878 wurde dann ein eigener Zuchtverband gegründet, um den negativen Erscheinungen der unkontrollierten Massenzucht entgegenzuwirken. Die ursprüngliche Bezeichnung “Black” war aber zwischenzeitlich irreführend geworden, da auch Pferde mit anderen Farben dem gewünschten Zuchtziel entsprachen. So wurde für den Zuchtverband zuerst der Titel "English Cart Horse Society” (Englischer Zugpferd Verband) gewählt, aber 1884 in “Shire Horse Society” umbenannt. Durch die konsquente Arbeit der Shire Horse Society wurde durch eine strenge Selektion die gesundheitliche Qualität der Pferde stark verbessert, so daß das Arbeitsleben eines Shires Horses ständig stieg. Durch diesen Umstand stieg der Wert eines solchen Pferdes spektakulär und in der Zeit der großen Depression galten gute Shire Horse Fohlen als hervorrangende Geldanlage.
Mit der zunehmenden Industrialisierung wurde das Kaltblutpferd immer mehr von der Mechanisierung und Kraftfahrzeugen verdrängt. Das führte soweit, das um 1958 nur noch fünf Hengstfohlen und fünf Stutfohlen dieses Jahrganges im Stutbuch eingetragen werden konnten.
Nur durch einzelne Liebhaber dieser Rasse, die mit großem persönlichen und finanziellen Aufwand dieser Entwicklung entgegen wirkten, ist es zu verdanken, daß die großartige Rasse nicht ausgestorben ist.
In Deutschland fand erstmals 1994 eine Körung in Absprache mit der “Shire Horse Society” durch den “Deutschen Shire Horse Verein” statt. Der offizielle Austragungsort ist die “Bundeszuchtschau“ des DSHV in Groß Zimmern. Diese findet immer am zweiten Septemberwochenende statt.
Für Reiter und Pferdeliebhaber gewinnt der Freizeitbereich ständig an Bedeutung. So gibt es immer mehr Menschen die auf der Suche nach einem ruhigen aber kräftigen Pferd sind. Wegen seiner Gelassenheit und Nervenstärke ist das Shire Horse dafür bestens geeignet.
Nicht zu vergessen ist sein imposantes Auftreten und das majestätische Äußere.